Gegen den Strom

Veröffentlicht am 05.09.2017 in Allgemein

Reimut Schmitt (Berlin)

Johann Georg Elser (4.1.1903 – 9.4.1945)

Elser wuchs in einer württemberger Arbeiterfamilie auf. Er begann 1917 eine Ausbildung zum Eisendreher, die er zwei Jahre später abbrechen musste, und wurde Bau- und Möbelschreiner.

Seit 1925 arbeitete er in einer Konstanzer Uhrenfabrik, seit 1930 in einem ähnlichen Betrieb in Meersburg. 1932 kehrte er nach Königsbronn zurück und richtete sich eine kleine Schreinerwerkstatt ein. Seit 1935 fand er als Gelegenheitsarbeiter sein Auskommen und arbeitete ab Dezember 1936 in einer Armaturenfabrik in Heidenheim/Württemberg. Er stand vorübergehend dem roten Frontkämpferbund nahe, wurde aber bald zum Einzelgänger, weil er entschiedenen Widerstand gegen Hitlers Regierungsübernahme forderte. Nach dem Münchner Abkommen vom Herbst 1938 entschied er sich, gewaltsam Widerstand gegen das NS-Regime zu leisten und auf diese Weise den Ausbruch eines als sicher erwarteten Weltkriegs zu verhindern. Er versteckte eine Bombe im Münchner Bürgerbräukeller, wo Hitler regelmäßig zum Jahrestag seines Umsturzversuches vom 9. November 1923 vor „alten Kämpfern“ der NSDAP sprach. Nur durch einen Zufall verließ Hitler am Abend des 8. November 1939 vor der Explosion die Versammlungsstätte. Die Detonation zerstörte die Galerie des Saales fast völlig und hätte Hitler wahrscheinlich getötet. Bei dem Anschlag kamen eine Kellnerin und sechs Zuhörer ums Leben, ein weiterer starb wenige Tage später. Elser, der München bereits verlassen hatte, wurde eine Stunde vor der Explosion am Konstanzer Grenzübergang zur Schweiz festgehalten und wegen seines verdächtigen Tascheninhalts der Gestapo übergeben. Er wurde Mitte November 1939 nach Berlin gebracht und später in die KZ Sachsenhausen und Dachau verlegt. Ein geplanter Schauprozess, in dem nicht vorhandene Verbindungen Elsers mit dem britischen Geheimdienst konstruiert werden sollten, wurde nicht durchgeführt. Kurz vor Kriegsende befahl Reichsinnenminister Himmler seine Ermordung. Er wurde am 9. April 1945 im KZ Dachau exekutiert.

Quelle: Peter Steinbach und Johannes Tuchel (Herausgeber): Lexikon des Widerstandes 1933 – 1945

 
 

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