Reimut Schmitt Im November 1936 wurde am Reichsgesundheitsamt das „Rassenhygieneinstitut“ unter der Leitung des Tübinger Kinder- und Nervenarztes Robert Ritter eingerichtet. Später wurde es Teil des 1939 gegründeten Reichssicherheitshauptamtes, unmittelbarer Vorgesetzter Ritters war nun der Reichkriminaldirektor und SS-Oberführer Arthur Nebe (1894 – 1945).
Das Rassenhygieneinstitut sammelte vor allem Daten von den rund 30.000 in Deutschland lebenden Sinti und Roma, um die „Zigeunerfrage grundsätzlich zu regeln“, wie es ein leitender Mitarbeiter des Instituts im Anthropologischen Anzeiger 1938 formuliert hatte.
Die sich selbst Sinti und Roma nennende Bevölkerungsgruppe sollte in Arbeitslagern isoliert und durch Sterilisation zum Aussterben gebracht werden. Vom Untersuchungsergebnis des Rassenhygieneinstituts hing das weitere Schicksal der Betroffenen ab.
Die Haltung von Arthur Nebe zum NS-Regime war widersprüchlich: Als Kommandeur der SS-Einsatzgruppe B verantwortete Nebe zahlreiche Massaker an russischen Juden und anderen Zivilisten. Zudem ist Nebe einer der Hauptverantwortlichen für die Deportation und Vernichtung der Sinti und Roma. Gleichzeitig unterhielt er Kontakte zum deutschen Widerstand. Nach dem Attentat auf Adolf Hitler vom 20. Juli 1944 wurde Nebe vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und hingerichtet.