Gegen das Vergessen; nie wieder!

Veröffentlicht am 27.06.2011 in Allgemein

Reimut Schmitt (Berlin)

Judenverfolgung in Berlin

(Behördenmaßnahmen in der Reichshauptstadt)

Kursiv gesetzte Einträge enthalten Reichsgesetze oder Aktionen, die das ganze Reichsgebiet betreffen.

Der Monat Juni (Teil II)

Juni 1939 -----

Juni 1940

1. Juni Da sogar bei Zwangsversteigerungen jüdischer Grundstücke die behördliche Genehmigung nur nach Zahlung eines Ausgleichs („Arisierungsabgabe“) erteilt wird, die auch von Gemeinden oder Körperschaften öffentlichen Rechts erhoben wird, verzichtet das Stadtsteueramt aufgrund der absehbar hohen Erwerbskosten – selbst auf die Gefahr des Verlustes des Erwerbsvorrechts – künftig auf die Abgabe von Geboten (Verfügung des Hauptsteueramtes).

25. Juni Nach dem raschen Sieg über Frankreich eröffnet die Gestapo bei einer Vorladung den Repräsentanten der Reichsvereinigung, dass mit dem Kriegsende „eine grundsätzliche Lösung [...] durch Bereitstellung eines kolonialen Reservatsgebietes für die Juden aus Europa angestrebt werde.“

Goebbels fordert, binnen weniger Tage in allen Berliner Geschäften Schilder anzubringen, mit denen Juden der Einkauf erst ab 15:30 Uhr erlaubt wird (Interne Bekanntmachung).

Juni Aus der Heil- und Pflegeanstalt Berlin-Buch werden ungefähr 200 jüdische Patienten, Männer, Frauen und Kinder, mit Bussen in die Anstalt Brandenburg gebracht. Ihre Vergasung im ehemaligen Zuchthaus ist der Auftakt für die reichsweite Ermordung „geisteskranker“ jüdischer Anstaltsinsassen.

Juni 1941

22.Juni: Deutschland überfällt die Sowjetunion. Der Völkermord an den dort lebenden Menschen jüdischer Herkunft beginnt in den ersten Tagen mit Massenerschießungen durch die Einsatzgruppen von SS und Polizei sowie Wehrmachtseinheiten hinter der Front.

Juni 1942

6. Juni: Die Gestapo beginnt die Deportation älterer Menschen aus Berlin in das Ghetto Theresienstadt im Protektorat.

9. Juni Juden müssen entschädigungslos „alle Bekleidungsstücke, die bei eigener bescheidener Lebensführung nicht notwendig sind“, abliefern, obwohl sie seit Kriegsbeginn keine Möglichkeit hatten, neue Kleidung und Wäsche zu erwerben.

Mitte Juni Auf Anordnung der Gestapo müssen Juden alle in ihrem persönlichen Besitz befindlichen optischen und elektrischen Geräte, wie Ferngläser, Fotoapparate, Heizsonnen, Kochplatten, Staubsauger sowie Schreibmaschinen und Fahrräder entschädigungslos an den deutschen Staat abliefern.

20. Juni Die Reichsvereinigung muss bis zum 30. Juni ihr seit 1939 separat organisiertes Schulwesen einstellen. Mit der Schließung aller jüdischen Schulen gibt es keine Ausbildungsmöglichkeiten für Juden in Deutschland mehr. Schüler ab 14 Jahren werden dem Arbeitsamt zum Zwangseinsatz gemeldet.

24. Juni Juden und „Mischlinge“ dürfen Freistellen für arme Schülerinnen der Medizinisch-Technischen-Lehranstalt am städtischen Rudolf-Virchow-Krankenhaus nicht bewilligt werden (Ausführungsbestimmungen zu den Grundsätzen über die Gewährung von Freistellen).

Juni 1943

10. Juni: Die Zwangsorganisation Reichsvereinigung der Juden in Deutschland wird auf eine Minimalorganisation, die Neue Reichsvereinigung für die in „Mischehe“ lebenden Juden reduziert und die Jüdische Kultusvereinigung zu Berlin e.V. aufgelöst. Das Vermögen der beiden bisherigen Organisationen wird beschlagnahmt (Anordnung der Gestapo).

28. Juni Der letzte Transport verlässt Berlin mit 300 Deportieren Richtung Auschwitz, die meisten Abtransportierten waren Mitarbeiter der Jüdischen Gemeinde.

Juni 1944 -----

Juni 1945 -----

 
 

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