Gegen das Vergessen; nie wieder!

Veröffentlicht am 24.10.2011 in Allgemein

Reimut Schmitt (Berlin)

Judenverfolgung in Berlin

(Behördenmaßnahmen in der Reichshauptstadt)

Kursiv gesetzte Einträge enthalten Reichsgesetze oder Aktionen, die das ganze Reichsgebiet betreffen.

Der Monat Oktober (Teil II)

Oktober 1939

5. Oktober: Hitler kündigt vor dem Reichstag öffentlich die ethnische Neuordnung Europas und die „Regelung des jüdischen Problems“ an.
Hitler ordnet in diesen Tagen die Umsiedlung von „300.000 unbemittelten Juden aus dem Altreich und aus der Ostmark“ an.

Im neugegründeten Reichssicherheitshauptamt erhält SS-Hauptsturmführer Adolf Eichmann den Befehl, die „Abschiebung“ von Juden aus dem Gebiet Kattowitz sowie „der Mährisch-Ostrauer Gegend“ nach Ostpolen einzuleiten, um Erfahrungen für „die Evakuierung größerer Massen“ zu sammeln. Eichmann sortiert an diesem Tag bereits die Listen sämtlicher erfasster Juden nach Altreich, Ostmark und Protektorat sowie nach einzelnen Kultusgemeinden.

Mitte/Ende Oktober: Aus dem Protektorat (Mährisch-Ostrau, Brünn, Prag), aus Wien sowie aus oberschlesischen Städten werden mehrere tausend Juden nach Nisko am San im Osten des besetzten Polens deportiert.

Oktober 1940

Oktober: Eine große Rekrutierungswelle von Juden zur Zwangsarbeit setzt im ganzen Reichsgebiet ein. Sie trifft vor allem Berlin. Die Arbeitsämter setzen jüdische Männer und Frauen nun verstärkt in der Industrie ein, und das immer in von „Ariern“ getrennten Bereichen, Abteilungen oder Schichten. Augrund des Mangels an qualifizierten Kräften in der Rüstung werden viele von ihnen nun sogar angelernt.

2. Oktober: Zur Durchführung der Polizeiverordnung über die „Einkaufszeiten für Juden“ sollen die entsprechenden Plakate nachgedruckt werden. Eigentlich waren sie nur für bestimmte Straßen oder Stadtteile bestimmt. Doch es werden viel mehr Exemplare für die Belieferung der Geschäfte benötigt. Auf Märkten soll nun ebenfalls ein Plakataushang mit den beschränkten Einkaufszeiten stattfinden, jedoch am Eingang, nicht an allen ständen (Anordnung des Polizeipräsidenten).

22./23. Oktober: Unter Leitung der Staatspolizeileitstellen in Karlsruhe, Neustadt und Saarbrücken werden 6.500 deutsche Juden aus den Regionen Baden, Pfalz und Saar ins unbesetzte Frankreich deportiert. Die Opfer dürfen nur 50 kg Gepäck und bis zu 100 Reichsmark mitnehmen. Ihr Eigentum wird beschlagnahmt.

25. Oktober: Das Bezirksamt Prenzlauer Berg lädt Juden – getrennt von der übrigen Bevölkerung – straßenweise zur Ausgabe der Kohlenkarten vor. (Bekanntmachung im „Jüdischen Nachrichtenblatt“).

Oktober 1941

1. Oktober: Die Jüdische Gemeinde wird über die bevorstehende „Teilevakuierung“ jüdischer Familien unterrichtet. Die Synagoge Levetzowstraße muss als Sammellager für die Transporte hergerichtet werden (Anordnung der Gestapo).

3. Oktober: Mit der „Verordnung über die Beschäftigung von Juden“ wird die seit fast drei Jahren praktizierte Zwangsarbeit deutscher Juden im Altreich legalisiert.

Bei Ankäufen jüdischer Grundstücke durch die Stadt ist von dieser laut Kostenordnung für Preisangelegenheiten vom 6. Januar 1941 (RGBl., 1941 I, S. 29-31) anstelle bisheriger Genehmigungsgebühren nur noch eine Gebühr, nämlich nach der Kostenordnung zu erheben, auf die alle andren angerechnet werden. Anträge von jüdischen Verkäufern zur Übernahme dieser Gebühren durch die Stadt sind grundsätzlich abzulehnen (Rundverfügung des Liegenschaftsamtes).

18. Oktober: Der erste Sonderzug der Reichsbahn mit ungefähr 1.000 Berliner Jüdinnen und Juden verlässt die Reichshauptstadt mit dem Ziel Litzmannstadt. In den folgenden Wochen folgen drei weitere Transporte.

23. Oktober: Der Reichsführer-SS und Chef der Deutschen Polizei, Himmler, verbietet die Emigration aller Juden aus dem Reichsgebiet und den besetzten Gebieten.

24. Oktober: Die Gestapo weist die Jüdische Gemeinde an, die Berliner Juden vor dem Verdecken des „Judensterns“ durch Kragen, Taschen oder Aktenmappen zu warnen (Bekanntmachung im Jüdischen Nachrichtenblatt“).
31. Oktober: Die Berliner Verkehrsgesellschaft verpflichtet ihre Schaffner und Schaffnerinnen, dafür zu sorgen, dass bei „starkem Andrang [...] Juden Straßenbahnwagen, Omnibusse oder U-Bahnzüge nicht besteigen.

Oktober: Bis zum 5. November 1941 werden mit 20 Sonderzügen der Reichsbahn 19.837 Juden aus Deutschland, Österreich und dem Protektorat in das Ghetto Litzmannstadt verschleppt. Ihr Vermögen zieht die Finanzverwaltung zugunsten des Reiches ein.

Unter den Deportierten befinden sich allein 4.187 Menschen aus Berlin.

Seit dem Beginn der Transporte nehmen sich viele Juden das Leben. An einem einzigen Oktobertag werden 280 Suizide von Juden in Berlin geschätzt.

Oktober 1942

6. Oktober: Das Reichssicherheitshauptamt will im November mit der „Evakuierung“ der letzten „noch in Arbeit eingesetzten Juden aus dem Reichsgebiet“ und ihrem Austausch gegen nichtjüdische Polen aus dem Generalgouvernement beginnen. Man teilt dem Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz mit, es werde „zunächst auf die mit Handlangerarbeiten beschäftigten Juden zurückgegriffen“, weil ihr Austausch am leichtesten sei. Die „qualifizierten“ Zwangsarbeiter würden den Betrieben noch belassen, bis die polnischen Ersatzarbeiter angelernt worden seien, um Produktionsausfälle „auf das äußerste Maß“ zu beschränken.

7. Oktober: Die Gestapo ordnet die Einrichtung einer psychiatrischen Abteilung im Jüdischen Krankenhaus Berlin an. Die letzte im Reich für Juden zugelassene Anstalt Bendorf-Sayn wird geschlossen. Jüdische „Geisteskranke“ aus dem Reichsgebiet sind künftig ausschließlich in das Berliner Krankenhaus einzuweisen (Anordnung der Gestapo).

9. Oktober: Juden wird der Kauf von Büchern in Buchhandlung verboten.

2. Hälfte Oktober: Die Berliner Gestapo selektiert kurzfristig die 1.416 Angestellten und Helfer der Jüdischen Gemeinde. 345 Mitarbeiter (109 Männer und 236 Frauen) werden mit dem sogenannten Gemeindetransport am 26. Oktober 1942 nach Riga deportiert; 20 für den Transport vorgesehene Gemeindeangestellte können flüchten.

Oktober 1943 -----

Oktober 1944 -----

 
 

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